Authentisch sein auch in der verletzlichen Phase des Lebens

Das hört sich so einfach an, aber ist es gar nicht. Ich kenne das selbst von mir. Immer wieder sagen wir Menschen, lass die Tränen fliessen, nimm dir Zeit für dich, lass die Gefühle zu und alles kommt schon gut. Aber meinen wir das auch so. Viele Menschen kommen sofort ins «tun» sobald ein Mensch in Trauer ist, in Wut oder Gefühle die wir als negativ betrachten. Warum? Ich denke, weil wir überfordert sind damit. Wir haben nicht gelernt damit umzugehen und vor allem können die meisten Menschen mit sich selbst nicht mal in dieser Phase umgehen. Leider wird uns schon von klein auf gesagt, dass so Gefühle nicht an die Öffentlichkeit gehören. Ich habe mich genau in dieser Phase, wie schon in vielen guten Phasen auf den sozialen Medien gezeigt. Weil ich erkannt habe in den letzten Wochen, wie wichtig es dieses Tabu Thema den Menschen näherzubringen und vor allem damit anderen Menschen die Türe zu öffnen ihre verletzliche Seite zu zeigen und zuzulassen. Und vor allem will ich zu jedem Zeitpunkt authentisch sein können und um echt sein zu können gehören eben all diese Phasen des Lebens dazu.

Wie alles begann. Seit Anfang April geht es mir schlechter. Ich fühlte mich vor allem körperlich erschöpft und ausgebrannt. Ein mir bekanntes Gefühl, dass mir vor einigen Jahren ganz unglaublich tolle Geschenke gemacht hat, nach einer sehr tiefen Phase meines Lebens. Ich habe durch die Jahre gelernt Gefühle zu fühlen und anzunehmen, jedoch schien das dieses Mal etwas komplizierter. Ich konnte nicht verstehen, warum es mir schlecht gehen soll, wenn ich doch meine Freiheit, mein Traum leben darf. Warum soll ich zur Ruhe kommen und ins «noch weniger tun» wenn ich doch schon so wenig tu und das tu, was mich erfüllt. Der innere Kampf begann. Die Angst erneut die Kontrolle zu verlieren zeigte sich vor allem auf der körperlichen Ebene. Ich kam wieder an die Panikattacken, jedoch hat sich etwas verändert. Dieses ganz tiefe Vertrauen, dass alles seinen Sinn hat im Leben und dass ich keine Angst mehr vor dem Sterben habe. Dadurch kam zwar die Panik, aber es übernahm mich nicht mehr. Vor allem weil ich in dem Moment einfach in die Annahme der Gefühle gehen konnte….. unglaublich, wie sich dass dann auflösen kann. Aber irgendwie zogen die Wochen dahin und ich fühlte mich immer noch so leer, antriebslos und eine innere Unruhe war stetig da. Ich versuchte anzunehmen und funktionierte weiter. Im Kopf tat ich das, aber mit dem Herz mit meinem Inneren nicht wirklich. Da war immer noch die Angst, die Kontrolle abzugeben. Ich hatte immer wieder das Gefühl, es sollte mir doch besser gehen. Ich habe keinen Grund mich so zu fühlen. Ich reduzierte meine Termine noch mehr. Ich war gute zwei Wochen nur zu Hause einfach für mich und tat nur das nötigste. Ich versuchte zu fühlen und anzunehmen und vor allem etwas zu verändern. Ich fühlte mich körperlich weniger angeschlagen, aber immer noch war diese Unruhe da. Durch den Austausch mit meinen Lieblingsmenschen kamen vorzu die Erkenntnisse. Es kam ins Rollen. Ich erkannte, dass es keinen Grund braucht, warum ich mich so fühle, ich fühle mich nun im Moment so. Es geht auch nicht darum das in positive Gefühle zu verändern. Nein im Moment sind diese Gefühle da und möchten einfach gefühlt und anerkannt werden, dafür brauchen sie keinen Grund. Und als ich das begriff, konnte es fliessen. Tiefe Trauer war plötzlich da. Keine Ahnung warum und wieso. Egal, sie ist einfach und ich fühlte sie. Tränen flossen und ich tauschte mich immer noch mit meinen Lieblingsmenschen aus. Eine Reise stand bevor, die ich dann kurzfristig absagen musste. Diese Klarheit zur Absage kam erst kurz davor. Tage und Wochen vorher war es ein stetiges auf und ab. Eine Ambivalenz und ich konnte einfach keine Entscheidung fällen. Aber genau diese kurzfristige Entscheidung kam mit so einer Klarheit und löste so viel Altes in mir aus. Alles brach auf. Nun begann es zu fliessen. Ich gab die Kontrolle wieder ans Leben ab, in dem ich erneut begann auf das Herz zu hören und dem Leben zu vertrauen. Nicht einfach mit hundert Glaubenssätzen und Organisation im Hinterkopf. Diese Situation zeigte mir aber nochmals, wie schwierig es ist sich aus diesen Mustern immer und immer wieder zu lösen. Auch wenn man noch so bewusst unterwegs ist. Das man sich was vornehmen kann oder ja sagen und plötzlich spürt man dieses Nein….. und es gar nicht so einfach Nein zu sagen….aber es hat mir auch gezeigt, dass man sich jederzeit für das Nein entscheiden sollte, wenn es sich richtig anfühlt, auch wenn der Kopf Hundert Möglichkeiten der Kompromisse aufzeigt. Ja es war auch für mich mal wieder eine unglaubliche Herausforderung und wird es wohl auch immer wieder sein. Da sind noch so viele alte Glaubensätze, die immer wieder auftauchen und einige Zeit überhand gewinnen, bis ich erkennen darf und einen Schritt weitergehen.

Meine Lieblingsmenschen bedankten sich für mein authentischen sein in diesem sehr verletzlichen Moment und waren so berührt davon. Das wiederum führte dazu, dass mir bewusst wurde auch wenn diese Phase meines Lebens normalerweise eine Phase ist, wo ich mich zurückziehe und nicht zeige, dass ich mich gerade jetzt auch im Aussen und der Öffentlichkeit zeige, weil das ich bin. Weil es verdammt noch mal das Leben ist. Es ist echt und real. Und so tat ich das. Ich weiss nicht wie lange diese Phase nun andauern wird. Ich weiss nicht was noch kommen wird und ich weiss auch nicht was daraus entstehen darf. Aber ich weiss, dass daraus wieder etwas Wundervolles geboren wird. Und vor allem habe ich durch das Loslassen wieder ins Vertrauen in den Moment ins Leben zurückgefunden. Trotz der Trauer, ist da wieder diese innere Ruhe und Zufriedenheit. Durch die Verbindung und den Austausch mit anderen inspirierenden Menschen weiss ich, dass im Moment auch astrologisch gesehen gerade die Zeit ist in dieses Echt sein, in das wertvolle, in das authentische zu finde. Eine herausfordernde Zeit die wohl ganz viele von euch auch spüren mögen. Aber ich weiss, dass es sich lohnt darauf zu vertrauen und nicht dagegen anzukämpfen. Ich bin der Überzeugung, dass diese Gefühle oder das Leben selbst nur das Beste für uns möchte. Deshalb gehe ins Vertrauen. Vertrauen kann nur durch Loslassen entstehen und Loslassen entsteht durch eine Situation die in uns Schmerz, Angst oder andere Gefühle des Verlustes auslöst. Lass es zu.

Beitragsbild von Stefan Schmid