Das liebe Geld

Ein weiteres Thema ist das Geld. So ein grosses Tabu. Niemand spricht darüber. Oder wenn darüber gesprochen wird, dann über das grosse Geld und Glück. Gerade auf den sozialen Medien wird damit gepriesen, wenn man viel Geld hat wird man unabhängig, frei und glücklich. Das habe ich auch ganz lange geglaubt, aber für mich hat sich da eine ganz neue Erfahrung geöffnet. Das mag auf einige zutreffen, dass viel Geld sie glücklich macht, aber zum viel Geld gehört auch ein Prozess und Glück ist bestimmt nicht abhängig von einem Kontostand, genauso wenig wie die Freiheit. Wie viele Menschen haben Millionen und trotzdem Existenzängste oder sind weder frei noch glücklich. Deshalb möchte ich mit euch auch offen darüber sprechen und euch meine Erfahrung damit erzählen.

Ich finanziere mich selbst. Ich bin finanziell nicht abhängig vom Staat. Aber ich habe auch noch nie so wenig Geld verbraucht in meinem Leben und war noch nie so erfüllt und glücklich wie jetzt. Als ich noch in einer Festanstellung war, da war ich oft so am Geldlimit und so stark im Mangel. Ich hatte ständig das Gefühl, dass ich mehr Geld möchte und das ich zu wenig habe. Dass ich glücklicher wäre, wenn ich mehr Geld hätte und mir noch mehr «leisten könnte». Heute habe ich noch weniger, aber habe das Gefühl in Fülle zu sein. Wie das geht? Es war ein Prozess des Loslassens. Dadurch ist so unglaublich viel passiert. Durch das habe ich im letzten halben Jahr erkannt, dass ich mir die vorherigen Jahre so viele «Konsumgüter» gekauft habe, die ich für meine «Zufriedenheit» erkauft habe, die ich aber gar nicht brauche. Heute bin ich immer noch am Ausräumen und weiss, dass ich nichts mitnehmen kann und möchte schon jetzt nur noch das nötigste besitzen. Durch das Loslassen von Menschen habe ich erkannt, wie viele unnötige Konsumgüter doch zurückbleiben, mit dem sich die Hinterlassen dann beschäftigen. Das möchte ich nicht. Durch mein Loslassen von Kleidung, Bücher, Möbel und anderen Utensilien ist so viel Raum entstanden. Raum der Freiheit und Unabhängigkeit. Der erste Schritt war schwierig. Schon nur alte Briefe oder Schulbücher wegzugeben. Aber ich habe erkannt, dass ich das Wissen, diese Worte oder die Zuneigung von anderen Menschen in mir tage und sie nicht lesen muss oder aufbewahren, damit sie bleiben. Und so konnte ich schrittweise Sachen weggeben. Und einige Monate danach ging das ganz von alleine. Heute verspüre ich immer wieder den Drang mehr Luft zum Leben zu haben und noch weniger «tragen» zu müssen.  Dann starte ich einen erneuten Ausräumungstag und vieles darf wieder ein neues zu Hause finden. Ebenfalls habe ich begonnen meine Shootingkleidung zu verkaufen, weil ich unmöglich so viele Kleidung tragen kann und es toll ist zu sehen, wie andere Menschen sich erfreuen an den tollen Dessous und Klamotten. Somit habe ich auch die Möglichkeit wieder neue Sachen zu erhalten. Alles ist im Fluss und Austausch.

Aber wie finanziere ich mich? Ich mache meine Projekte, shoote und begleite Menschen auf verschiedene Weisen und sehr individuell. Damit erhalte ich Geld. Dazu könnt ihr mehr in meinem vorgängigen Blog lesen. Ich denke viele sind schon erstaunt, wenn sie hören, dass ich mit 2000 Fr. im Monat mein Leben finanzieren kann. Ich Besitze nicht viel und benötige auch nicht mehr viel. Oder nichts was man mit Geld kaufen muss. Die Lebenszeit und die Zeit mit mir ist so kostbar geworden für mich. Ich habe mir in meiner Festanstellung immer gewünscht mehr Zeit zum leben zu haben und genau das tu ich nun. Ich bin. Ich geniesse das Leben. Zu Hause oder in der Natur und bin einfach ohne etwas tun zu müssen. Ebenfalls ist Geld nur Energie. Als ich das Erkannt habe, ist auch ganz viel passiert und auch mein Projekt gemeinsam ist so entstanden. Man kann so viele Sachen tauschen ohne das Geld das Zahlungsmittel sein muss. So bin ich auch schon vielen einzigartigen Menschen begegnet. Und für was soll ich Geld anhäufen, wenn ich nicht mal weiss, ob in 10 Jahren das noch seinen Wert hat oder wir überhaupt noch so unser Leben finanzieren. Ich bin im Vertrauen und weiss, dass das Leben einem auf unerklärbare Weise Sachen zukommen lassen kann. Egal ob Geld, Menschen, Momente oder Erfahrungen.

Beitragsfoto von Melanie Gräbnitz Fotowelt