Das Wunder der Menstruation

«Jetzt hast du dieses Zeugs auch». Ein Satz der viele Frauen und Mütter einfach so dahinsprechen ohne sich bewusst darüber zu sein, was es in einem Mädchen, einer Frau auslösen kann.

In der heutigen Zeit ist Menstruation zu einem Tabu und sogar schambehafteten Thema geworden. Es steckt so viel Verachtung und Abwertung in diesem Thema.  Weshalb nur?

Die Frauen haben gelernt nicht nur ihr Äusseres zu verabscheuen, sondern auch ihr Inneres, das sie zu Frau macht auszuklammern. Sie verachten ihren Zyklus und somit das Wunder und die Magie des Frau seins. Wie sollen wir eine Verbundenheit und Liebe zu unserm Körper, dem Frau sein und Zyklus aufbauen, wenn unsere Mütter und Grossmütter uns was anderes vorleben.

Ich bin sehr dankbar für meine Mutter, die mir eine Natürlichkeit und Wertschätzung zum «Frau sein» ermöglicht hat. Trotz diesem Zugaben habe ich ebenfalls viele Jahre nicht wertgeschätzt und gesehen was für ein Wunder der Menszyklus, der Zyklus an sich in sich trägt. Heute zelebriere und lebe ich mein Frau sein, meine Weiblichkeit umso mehr. Deshalb ist es auch an der Zeit mal einige Worte in einem Blog über dieses sehr zentrale Thema einer Frau zu verlieren. Der Kern unsere Entstehung und dem Wunder der Natur.

Wie erlebst du deinen Zyklus?
Nimmst du ihn überhaupt wahr?
Wenn ja, wie nimmst du in wahr und wann?

Bei mir haben sich sehr viele Jahre eigentlich nur um die Menstruation gedreht, weil ich immer starke Krämpfe hatte und einfach in dieser Zeit gelitten habe. So kam es, dass ich einige Zeit den Zyklus, vor allem die Mens gehasst habe. Ich musste leiden und es machte mich wütend und frustrierte mich. Trotzdem war für mich klar, dass ich keine Pillen nehme würde um die Mens wegzumachen oder meinen Zyklus zu kontrollieren. Irgendetwas in mir wusste da schon, dass mein Zyklus einzigartig und nicht kontrollierbar sein sollte. Durch meine Mutter und später auch durch die Hebammenausbildung wurde mir klar, was die Pille alles in unserem Körper und mit uns verändert. Ebenfalls auch durch die Toypartys und den intensiven Austausch mit Frauen zeigte sich mir immer mehr, dass Frauen wenn sie Jahrelang die Pille nehmen oder hormonell verhüten sich nicht mehr als sich selbst fühlen. Ich hatte bereits tief in mir diese Klarheit, das hormonelle Verhütung nicht mein Weg ist und der Zyklus ein einzigartiges Potential in sich trägt, das mich ausmacht, mich lebendig und lustvoll leben lässt.

Durch die letzten Jahre durfte ich das noch intensiver und vor allem voller Dankbarkeit und Demut wahrnehmen. Mein Zyklus lässt mich immer wieder die verschiedenen Wellen von Hoch und Tief von nach Aussengehen und nach Innenkehren erfahren. Setzt man sich intensiver und bewusster mit dem eigenen Zyklus auseinander, dann kann man sein Leben und die Möglichkeiten dahinter noch viel mehr auskosten und integrieren.

Als ich meinen Job vor zweieinhalb Jahren gekündigt habe und Selbständig wurde, da war eines der ersten Dinge die ich tat in meinem Kalender zu markieren wann ich meine Menstruation habe damit ich in dieser Zeit keine Termine annahm. Durch meine Selbständigkeit habe ich die Möglichkeit bekommen mich bewusst nach meinen Bedürfnissen zu richten und somit auch nach meinem Zyklus. Als ich noch Schicht arbeitete als Hebamme im Spital habe ich extrem darunter gelitten während meiner Periode trotz Schmerzen und Übelkeit genauso funktionieren zu müssen wie sonst. Als nahm ich mir durch meine Selbständigkeit bewusst diese Auszeit. Dadurch wurden nicht nur die Schmerz weniger in den letzten Jahren, mir wurde auch einiges bewusst. Ich begann dieses Geschenk hinter meiner Menstruation zu erkennen. Dieses Wunder und meine Möglichkeiten. Denn während dieser Rückzugsphase fliesst es nicht nur wortwörtlich aus meiner Vulva, sondern auch aus meinem Herzen. Ich bin genau in dieser Phase unglaublich verbunden, weich und offen und somit extrem empfänglich. Es ist meine kreative Flowphase. Ich schreibe dann einfach voller Leichtigkeit und aus mir heraus Texte oder schon fast Romane (so wie jetzt gerade 😉). Ich erhalte neue Ideen und Inspirationen für weitere Projekte. Ich bin in dieser Phase auch viel verwundbarer und weicher, deshalb ist auch die Sexualität in der Zeit viel intimer, offener und noch intensiver als sonst. All das konnte sich aber auch nur zeigen, weil ich mich bewusst begonnen habe während meiner Menstruationsphase zurückzuziehen und mir Zeit für mich zu nehmen. Mich und meine Bedürfnisse wahrzunehmen. Mich zu umsorgen und zu regenerieren. Auch wenn meine Menstruationsbeschwerden Heute viel weniger sin, besteht meine Rückzugsphase noch immer und ich nehmen mir diese Tage jeden Monat bewusst. So kann ich das Schreiben und meine Kreativität bewusst umsetzten und fliessen lassen. Ich habe sogar begonnen das im Umfeld zu kommunizieren und dabei ist mir bewusst geworden was für ein grosses Tabu die Menstruation noch immer ist. Ebenfalls das viele Frauen froh sind ihre Mens ganz wegzumachen, sie zu unterdrücken oder auf irgendeine Art loszuwerden. Das sehr viel Frauen sich nie bewusst mit ihrer Menstruation auseinandergesetzt haben und oft nicht einmal eine Ahnung haben wie ihr Zyklus eigentlich ist. Das schockiert mich immer wieder und stimmt mich auch traurig, den ich glaube das der Zyklus in uns ein unglaubliche Potential und eine weibliche Kraft in sich träft, die viele unterschätzen oder vielleicht sogar bewusst oder unbewusst unterdrücken. Ich habe vor einigen Wochen in einem Buch gelesen, dass mich sehr berührt hat, dass während der Menstruation ebenfalls ein Mensch entsteht und zwar wir selbst. Also das würde bedeuten, dass wir bewusst oder unbewusst nicht wirklich uns selbst entfalten und begegnen möchten. Ich liebe diese Phase mittlerweile genau deshalb so sehr, weil sich mein Inneres nach Aussen entfalten darf. Weil ich noch bewusster Zeit mit mir verbringen darf.

Nebst meiner Rückzugsphase gibt es natürlich noch weiter Zyklusphasen. Ich habe gerade in meiner Sexualität erfahren, dass ich meine Lust und das empfinden meiner Sexualität je nach Zyklusphase sehr unterschiedlich erlebe. Ebenso die Empfindungen dabei. Wenn wir beginnen diese Phasen wieder auszukosten und bewusst in unser Leben aufzunehmen, dann können wir unser Frau sein noch viel tiefer und berührender empfinden und ausleben.

Es ist ein unglaubliches Geschenk das wir in uns tragen. Dieser Zyklus der sich im Leben, in den Mondphasen zeigt, dürfen wir als Frauen nochmals in uns selbst, an und mit unserem Körper erfahren. Es ist ein Wunder. Wir sollten diesem Wunder wieder mit mehr Demut und Dankbarkeit statt Abwertung und Verachtung begegnen. Im Zyklus widerspiegelt sich der Ursprung und die unglaubliche weibliche Kraft in uns. Eine Kraft die Wunder und Leben erschaffen kann mit Hingabe, Liebe, Verwundbarkeit und Verbundenheit zum Leben. Vor vielen Jahren wurde das Mensblut noch als das heilige Blut der wilden und ungezähmten Frau angesehen. Mit den Jahren und der Unterdrückungen der Frauen durch die Kirche wurde das heilige Blut zum Unreinen und die wilde Frau zur Hure erklärt. Heute ist eine andere Zeit und wir Frauen haben es in der Hand wieder aufzustehen. Nicht um zu kämpfen, sondern um genau diesen Kampf loszulassen, den Kampf gegen uns, um zu erkennen was für ein Geschenk wir in uns tragen. Unseren Körper wieder zu lieben und den Zyklus zu leben und unserer Sein zu zelebrieren. Die wilde Frau in uns wieder zu erwecken und statt die Krallen auszufahren den Mund aufzumachen und unsere Wahrheit in die Welt hinauszutragen. Dadurch die Verbundenheit zum Leben und uns selbst wieder zu fühlen und bewusst wahrzunehmen. Den genau das scheint die letzten Jahre in Vergessenheit geraten zu sein. Die Verbindung zu uns selbst.

Beginne damit deinem Zyklus mit deiner bewussten Aufmerksamkeit zu begegnen.
In welcher Phase deines Zyklus fühlst du dich wie?
Wie nimmst du deinen Körper, deine Sexualität in den verschiedenen Zyklusphasen wahr?
Was für Gefühle zeigen sich und wann besonders?
Wie gehst du mit deinen Mitmenschen je nach Zyklustag um?
Was für Bedürfnisse kannst du wahrnehmen?

Danach kannst du beginnen dich deinen Bedürfnissen bewusst anzunehmen. Integriere deine Mitmenschen und Partner in deinen Zyklus. Denn dein Zyklus bist du, also ist es das natürlichste und selbstverständlichste das auch dein Partner dazu gehört Schon das alleine kann eine Partnerschaft um vieles verbessern.

Ich wünsche mir, dass die Menstruation, das heilige Blut, wieder wertgeschätzt und beachtet wird von uns. Das die Frauen das Wunder in ihnen wiedererkennen. Dass sie sich selbst und ihrem Zyklus wieder mit Liebe, Hingabe, Faszination, Demut und Dankbarkeit begegnen. Dass wir wieder lernen zyklisch zu leben und unser Leben und die Bedürfnisse danach ausrichten. Das wir bereit sind dem Menschen, also uns selbst, der während der Menstruation entsteht wieder zu begegnen und Zeit zu schenken. Das kann unser Leben nicht nur verändern, sondern auch wieder lebendiger, lustvoller und magischer gestalten.

Ich zelebriere meine Weiblichkeit, weil ich es liebe eine Frau zu sein.
Ich wünsche mir, dass besonders Frauen wieder mehr beginnen ihre Weiblichkeit zu zelebrieren. Dass sie ihre Einzigartigkeit erkennen und wertschätzen. Dass sie sich nicht auf eine Körperform reduzieren und dass sie sich und ihrem Körper wieder mit Liebe begegnen. Dass sie vom Tun in die Hingabe zurückfinden und dadurch ihre Leidenschaft entfachen.
Ich liebe den weiblichen Zyklus, der sich in mir selbst widerspiegelt und mir die Erfahrung der Veränderung am eigenen Leib und in meinem Sein ermöglicht. Ich zelebriere den Zyklus des Lebens und der Weiblichkeit, weil er mir die Möglichkeit bietet die unterschiedlichsten Gefühle und Bedürfnisse zu erfahren. Es ist ein ständiges Loslassen und sich Hingeben der Veränderung. Ein Vertrauen ins Leben selbst und ein sich treiben lassen im Fluss des Seins. Ein Erkennen und Wahrnehmen von Gefühlen und Bedürfnissen, die gefühlt und angenommen werden wollen.
Ich liebe es meiner Leidenschaft zu folgen und auf mein Herz zu hören, weil es mich unglaublich erfüllt und befriedigt. Es lässt mich Extase und Liebe in höchster Form auf allen Ebenen fühlen.
Ich liebe meine Sanftheit und Verletzlichkeit, weil sie mich so liebevoll und weiblich macht. Durch sie kann ich so viel Liebe und Geborgenheit weitergeben und empfangen. Dadurch kann ich die unterschiedlichsten Begegnungen mit Menschen machen, die mich tief im Herzen berühren.
Ich bin dankbar für mein Körper, weil er mein zu Hause ist, ein Ort der Geborgenheit. Er lässt mich körperlich fühlen und berühren. Er ist die Hülle, die ich zum Leuchten bringe.
Ich liebe mich, weil ich mein Sein und meine Einzigartigkeit wertschätze und mit Stolz in die Welt hinaustrage. Dabei verliebe ich mich auch immer wieder neu in mein Leuchten, weil es mich erfüllt was ich tu und ich dadurch das Gefühl habe Licht in diese Welt zu bringen. Was gibt es Schöneres als zu sehen, wie andere Menschen beginnen zu Leuchten und die Liebe zu sich selbst finden.

Isabelle Bella

Beitragsbild von Bea Troxler