Liebe befreit

Mal ein ganz anderes Thema in meinem Blog. Und zwar ist das heutige Thema Liebe. Über Liebe habe ich schon viel geschrieben, aber vor allem über Selbstliebe. Aber da gibt es ja noch diese wunderschöne Verbundenheit zu anderen Meschen. Verliebt sein und mit jemanden in Liebe verbunden sein. Durch meine Begegnungen vor allem auf den sozialen Medien werde ich immer wieder mit dem Thema Beziehung konfrontiert und dadurch muss ich einmal mehr feststellen, dass ich so überhaupt nicht der Norm entspreche. Nicht das das was Neues wäre, aber es erstaunt mich immer wieder wie Menschen darüber denken und schlussendlich handeln. Deshalb will ich auch mal was darüber schreiben.

Als junges Mädchen träumte ich auch davon meinen Traumprinzen zu finden und dann glücklich zu sein, verliebt bis in alle Zeiten und eine Familie zu gründen. Das änderte sich aber alles mit 18 Jahren.
Ich begegnete meinem Traummann und ich verliebte mich. Aber einfach nichts passte. Er war verheiratet und viel älter als ich. Also strichen die Jahre dahin und wir lebten in einer Affäre. Ich unterdrückte alle Liebesgefühle, obwohl tief im Innern und von Anfang an mein Herz diesem Mann geschenkt habe. Immer noch hatte ich die Hoffnung, dass mir mal ein anderer Mann (der perfekte Mann) begegnet und ich von ihm loskomme würde dadurch. Aber das passierte nicht.
Heute kann ich nur sagen zum Glück, denn nun sind wir schon seit fast 6 Jahren offiziell ein Paar. Wenn ich Heute zurückblicke erkenne ich so viel und ich bin Dankbar für all diese Schätze und diese tiefe Liebe und die Heilung die durch diese Beziehung entstehen konnte. Ja, gerade die schwierigen und schmerzhaften Themen machen unsere Beziehung Heute so frei und wunderschön.

Wenn ich zurückblicke, dann weiss ich, dass gar kein anderer Mann diesen Platz hätte einnehmen können, weil mein Herz bereits vergeben war an ihn. Aber auch die Idee vom perfekten Mann existiert so nicht. Ich hatte eine Vorstellung von einem Mann, wie die Gesellschaft ihn mir von klein auf vorgezeigt hat. Heute bin ich so dankbar ist meine Beziehung so viel anderes als die Norm. Ich weiss, dass das Leben mir genau den richtigen Mann geschickt hat, auch wenn es zuerst mit Schmerz, Wut und Ablehnung verbunden war. Denn durch diese Beziehung bin ich erst zu dieser selbstbewussten, schönen und einzigartigen Frau herangewachsen. Ich habe gelernt für mich einzustehen und vor allem mit meinem Herz zu gehen. Der Liebe zu vertrauen, egal ob das der Norm, anderen Menschen oder Gesellschaft entspricht. Ich fühle noch Heute diese wunderschöne Geborgenheit, mein Zuhause und ein «angekommen sein» in dieser Beziehung zu meinem Freund. Er ist der Mann, der mich seit so vielen Jahren begleitet. Er hat meine tiefe Trauer, meine hilflosen und schwachen Momente erlebt. Er hat mich viele Jahre unauthentisch und auf der Suche erlebt. Er hat mich in meine Authentizität hineinbegleitet und mir von Anfang an einfach den Raum geben mich sein zu können. Er gab und gibt mir noch immer Sicherheit und doch Freiheit.

Aber was will ich genau damit sagen? Schon in meiner Jugend habe ich immer wieder mit Menschen gesprochen, die fremdgehen oder unglücklich in der Beziehung sind. Das war mein tägliches Brot. Und meine Welt sah zu diesem Zeitpunkt ja nicht anders aus. Also kreierte ich irgendwann das Bild, dass «glückliche Beziehungen» auf Dauer nicht halten. Das die Liebe verschwindet und Menschen sich belügen und betrügen. Durch die Affäre haben ich und mein Partner gelernt über Gefühle zu sprechen, denn es gab verdammt viele verschissene Gefühle in dieser Zeit. Von Wut, Hass, Minderwertigkeit, Eifersucht und vor allem Scham. Ich habe mich einfach nur geschämt für mich und mein Sein. Durch das sprechen und leben all dieser Schattenaspekte wurde unsere Beziehung und die Verbundenheit noch tiefer. Ich glaube, dass ganz viele Beziehungen genau an diesem Punkt brechen. Das Menschen sich trennen, distanzieren oder mit den Schattenseiten des anderen und vor Allem mit sich selbst nicht klarkommen oder schlichtweg einfach nicht wissen wie damit umzugehen. Aber wie soll das gehen, wenn uns niemand lernt, dass es dazu gehört Fehler zu machen und eine Beziehung auch Schmerz und unangenehme Gefühle auslöst. Vor allem werden wir gerade durch Beziehungen und Freundschaften mit unseren eigenen Themen konfrontiert. So oft habe ich auch in Coachings erlebt, dass die Menschen nicht Verantwortung übernehmen und nicht bei sich hinblicken können. Für viele scheint es einfacher zu sein einen Schuldigen zu suchen, weil es unangenehmen und verdammt schmerzhaft sein kann sich selbst im Spiegel zu begegnen. Wir alle tragen diese Bedürfnisse und Konfliktmuster in uns, die gerade in den Krise Momenten einer Beziehung zum Vorschein kommen. Ich glaube ein weiterer schwieriger Punkt ist, dass einstehen für uns, auch in der Beziehung. Unserem Partner sagen zu können, was wir möchten. Dabei scheint das, was wir nicht wollen viel einfacher zu sein. Aber woher kommt das? Ich denke da kommen wir zu meinem Lieblingsthema, der Selbstliebe. Wer sich nicht selbst liebt und annehmen kann, der kann auch nicht für sich und seine Bedürfnisse einstehen. Solange wir uns für Anteile von uns schämen, solange können wir uns auch nicht nackt (bildlich gesprochen) dem Gegenüber zeigen.

Erst als ich vor 7 Jahre Schritt für Schritt in die Selbstliebe fand, da hat sich auch meine Beziehung harmonisiert und ich wurde viel liebevoller. Der Kampf in mir hörte auf und dadurch auch in der Beziehung. Ich gab meinem Partner den Raum, damit er in seinem Tempo seine Schritte machen konnte für diese Beziehung. Deshalb kann ich nur sagen, dass Liebe frei macht und loslässt. Denn als ich mich entschieden habe, dass es keine Rolle spielt, ob er sich für mich entscheidet oder nicht, sondern ich einfach wusste, dass ich ihn Liebe und liebe nicht festhalten heisst, sondern einfach die Verbundenheit mit ihm geniessen, da habe ich losgelassen und er konnte ohne diesen Druck seine Schritte machen. Seither ist auch keine Eifersucht mehr da. Weil ich keine Angst mehr vor Verlust habe. Ich weiss, dass es immer wieder Momente geben wird, die schmerzhaft oder herausfordernd sind, weil mich ein Verhalten triggert. Aber das hat nichts damit zu tun ob ich ihn liebe, denn ich liebe ihn.

Liebe heisst doch nicht, dass der Partner zu einem Eigentum wird. Diese Sichtweise ist sehr verbreitet habe ich erkannt. Warum ist das so? Wohl weil sehr viele von uns unter mangelnder Selbstliebe und Verlustangst leiden. Ich sage nicht, dass der Verlust, das Loslassen eines Partners nicht schmerzhaft ist, im Gegenteil. Aber das Festhalten wird diese Ängste noch viel stärker machen und die Beziehung wir darunter leiden. Dieses Thema begegnet mir oft im Bezug auf das Modeln, wenn ich gefragt werde, ob mein Partner damit einverstanden ist oder umgehen kann, dass ich so offen bin. Mir wäre es nie in den Sinn gekommen ihn nach dem Einverständnis zu fragen und für mich hat das auch nichts mit einer Beziehung zu tun. (Er musste sogar lachen, als ich ihm das erzählt habe. Er meinte, ihm wäre auch nie in den Sinn gekommen ein Einverständnis zu verlangen). Mein Körper und ich als Wesen gehöre nur mir selbst. Ich entscheide für mich, wo meine Grenzen sind beim Shooten und wie ich mich zeigen möchte. Beziehung heisst eine Verbindung eingehen und nicht Verantwortung und Persönlichkeit abglegen. Sehr oft sehe ich in Beziehungen dieses Phänomen des Besitzergreifen. Auch hier ist die Frage was ist die Angst dahinter. Nicht gut genug zu sein, wenn der andere sich mit anderen Menschen verbindet (wie diese Verbindung dann auch immer ist). Das wäre dann auch wieder der Punkt der mangelnden Selbstliebe. Aber solange wir unseren Partner verantwortlich machen für die Liebe in uns und zu uns, so wir das auf Dauer nicht gut gehen. Sobald dieser Mensch geht, geht auch die Liebe. Ebenfalls ist es für einen Partner eine riesige Last diese Liebe bestätigen und einem anderen geben zu können, denn es wird nie genug sein. Solange du nicht in der Selbstliebe bist, solange wird die Liebe von anderen Menschen auch nicht in der tiefe in dir ankommen und dich nähren. Das habe ich selbst hautnah erlebt. Jahrelang hat mir mein Partner gesagt, wie schön und wundervoll ich sei und dass er mich liebt. Ich habe ihm zwar geglaubt, aber irgendwie konnte ich es tief in mir nicht annehmen. Erst als in die Selbstliebe fand, da wurde ich so viel zufriedener und sanfter. So konnte die Liebe auch in mich hineinfliessen.

Ich glaube in der neuen Zeit werden sich auch unsere Beziehungsformen verändern können. Mittlerweile kenne ich schon so viele Menschen, die auch in der Beziehung einen nicht gesellschaftlichen Weg gehen. Ich glaube es liegt in unserer menschlichen Natur sich mit anderen Menschen verbinden zu wollen und unsere Erfahrungen zu sammeln. In welcher Form diese Verbindungen dann sind das variiert von Mensch zu Mensch. Deshalb wird jede Beziehung, wenn sie authentisch gelebt wird einzigartig sein und sich auch immer wieder verändern, weil wir uns als Individuum stetig verändern.

Beitragsbild Melanie Gräbnitz Fotowelt